Die Welt ist gar nicht so.

Sie ist ganz anders.

Archiv für Kategorie „Misantropie als Bewältigungsstrategie“

Ein Kommentar

Eine Geschichte aus Nordberlin

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber in letzter Zeit schlafe ich sehr schlecht. Eigentlich schlafe ich wohl gar nicht mehr richtig, aber ich bin auch nie richtig wach.

Manchmal, wenn ich mit offenen Augen im Bett liege, sehe ich Tristan in seinem Zimmer im Tiefparterre. Er sitzt vor einem alten Laptop und scheuert seinen Schwanz – vergeblich, denn seine Eier sind längst vertrocknet und sein Hodensack ist nur noch ein mit Staub gefüllter Beutel, der beim Gehen raschelt. Hin und wieder fließt eine Träne aus seinem lidlosen Auge, während er leise vor sich hin murmelt.

Ich weiß, er sucht nach dem richtigen Wort, um mich zu vernichten. Sobald er es gefunden hat, wird er mich anrufen, mir das schreckliche Wort ins Ohr brüllen und mein ohnehin angegriffener Geist wird in sich zusammenfallen wie ein Kartenhaus. Ich beobachte eine Spinne an der Zimmerdecke. Das Telefon klingelt. Ich bin verloren.

erlehmann
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Enke, Bild & die Poesiealbum-Kommentare

Jemand bei der Bildzeitung ist ganz offenbar zu blöde, um die Exif-Daten eines Bildes in einem der zahllosen Robert-Enke-Gedenkartikel zu entfernen. Konkret geht es um dieses Bild, in welchem ein Kommentar eingebettet ist, der tief blicken lässt (Daten hier unkenntlich gemacht):

Leserreporter darf nicht genannt werden..Handydaten da ..12.11.09..LR hat nachgeschickt ….Mobil: 0151-53xxxxxx, Bodo Rxxxxxx….

Das geht noch einige Zeit so weiter, bis dann auch die Email-Adresse des Betreffenden genannt wird. Danke Bild, ich kann mir echt prima ausmalen, wie ihr erst im Ernstfall eure Quellen schützt !

….Von: Bodo Rxxxxxx [mailto:bodo.rxxxxxx@online.de] ..Gesendet: Donnerstag, 12. November 2009 00:44..An: ‘info@bild.de’..Betreff: Freundschaftsbuch mit Robert Enke..Wichtigkeit: Hoch…. ….Hallo, …. ….zum angegeben Text hier noch ein paar Fotos, die die Korrektheit bestätigen. Vielen Dank , Gruß Bodo….

Aufgedeckt hat das ganze übrigens ein Nutzer der kritischen Internetplattform Krautchan:

Screenshot von Krautchan, der verräterischen EXIF-Kommentar eines Bildes zeigt.
erlehmann
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Sarrazin-Zitate hausgemacht

Der Zentralrat ist empört über die menschenverachtende Menschenverachtung Thilo Sarrazins, vergleicht seine Denke mit Göring, Goebbels und Hitler, fordert seinen Rücktritt — und liegt in seiner Einschätzung im entscheidenden Detail falsch: Sarrazin ist kein Nazi, auch nicht Rassist, er unterteilt einfach die Menschen in systemnützlich und systemschädlich, ganz ohne Ansehen von Rasse, Herkunft oder Geschlecht. Und das er dies offen gefühllos, kaum konstruktiv (man denke an das Hartz-IV-Menü) und unzulässig pauschalisierend (Die Türken erobern Deutschland […]) kundtut, ruft (zu Recht !) die medialen Geier auf den Plan, die sich laben am frisch angerichteten Drama.

Dennoch: Zurückgetreten wurde er bisher nicht; das Ende der Fahnenstange ist logischerweise noch lange nicht erreicht. Da nicht abzusehen ist, dass der ehemalige Anti-Sozialsenator in Zukunft die Klappe halten wird, kann es also nur einen Weg geben, die sarrazinmäßige Flucht nach vorn — und nichts bietet sich hier besser an als strategisch-rhetorische Hilfestellung für weitere Missetaten, auf das das Maß hoffentlich schnell überschwappt. Hier also einige Vorschläge, was Sarrazin noch so sagen könnte (und ohne Auftreten einer unvorhergesehenen Schädigung des Sprachzentrums wohl wird):

Der Aufzug im Fernsehturm ist stecken geblieben und ich musste dort auch auf engstem Raum mit fremden Leuten ausharren. Ich kann das ganze Theater um die Sache nicht nachvollziehen.

— über Anne Frank

Ich kann ihnen versichern, dass eine solche Maßnahme die Arbeitslosen annähernd halbieren würde.

— über das Köpfen von Hartz-IV-Empfängern

Dennoch sollte man nicht vergessen, dass die Gesellschaft davon profitiert, wenn sich junge Menschen zusammentun und gemeinsam versuchen, die Stadt, in der wir leben, zu einem besseren Ort zu machen.

— über die Zunahme rechtsextreme Gewalttaten

Geben ist seliger als nehmen — das steht ja auch schon in der Bibel und daran hat sich vom Prinzip her bis heute nichts geändert.

— über die Gewaltvorwürfe gegenüber der Berliner Polizei

Weitere Vorschläge, Lobhudeleien, sowie Kritik am Konzept der Lächerlichmachung selbstgerechter Arschlöcher mittels erfundener Geschmacklosigkeiten bitte in die Kommentare (Stromberg-Ergüsse sind von der Wertung ausgenommen, passen aber ins Konzept).

Hallo Bernds. Hier steht nirgendwo, dass das originaler Inhalt wäre. Nur: Ein KC-Archiv gibt es nunmal nicht. Auch: Wusstet ihr, dass Schüttli mich gebeten hat, nicht mehr auf KC zu verlinken ?

erlehmann
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Beim Betteln erwischt: Amt kürzt Zahlungen

Ein Mitarbeiter des Göttinger Sozialamtes hat einer notleidenen Bank, die er eigenen Angaben zufolge mehrfach beim Betteln gesehen hatte, die Unterstützung gekürzt. Der Mitarbeiter des Fachbereichs Konjunktur kündigte in einem diesem Blog vorliegenden Schreiben an, einen Betrag von 1,2 Milliarden Euro als Einkommen durch Betteln von der Krisenhilfe abzuziehen. Die Summe habe er hochgerechnet, nachdem er die Bank mehrfach beim Betteln im Finanzministerium gesehen habe.

Bernd Grönig vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Göttingen reagierte erschüttert: So weit unten waren wir noch nie. Das Schreiben des Finanzamts sei demütigend und unterstelle, dass die Bank durch Betteln beim Bund ein regelmäßiges Einkommen habe. Der Wohlfahrtsverband überprüft den Angaben zufolge nun, ob die Hochrechnung und die damit verbundene Kürzung rechtens sind.

erlehmann
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GPG in Standardkonfiguration nicht empfohlen

Bei einem nächtlichen Gespräch mit Benni von der C-Base erfuhr ich zwei Tatsachen, die für meinen GPG-Vortrag im Newthinking Store von besonderer Relevanz sind: Zunächst veröffentlicht die Bundesnetzagentur jährlich Emfehlungen zur Schlüssellänge mit Abschätzungen, wie lange Schlüssel mit bestimmter Länge noch als sicher anzusehen sind – soweit, so gut. Auf Seite 7 der Empfehlungen für 2008 befindet sich eine Tabelle mit dem Titel Bitlängen für den DSA, die folgendermaßen aussieht:

Parameter bis Ende 2007 bis Ende 2008 bis Ende 2009 bis Ende 2014
p 1024 (Mindestwert)
2048 (Empfehlung)
1280 (Mindestwert)
2048 (Empfehlung)
1536 (Mindestwert)
2048 (Empfehlung)
2048
q 160 160 160 224

Schaut man nun in die ursprüngliche DSA-Spezifikation FIPS 186, wird eine Problematik offensichtlich: Der Parameter p muss nämlich so gewählt werden, dass 2L-1 < p < 2L mit 512 ≤ L ≤ 1024, d.h. ein p mit einer Länge von mehr als 1024 Bits ist schlicht nicht vorgesehen.

Und nun zum Zweiten: Generiert man Schlüssel mit einer aktuellen Version von GPG und verwendet die Standardeinstellungen, sind alle DSA-Schlüssel genau 1024 Bits lang und somit laut BNetzA nicht sicher. Abhilfe schafft die Option --enable-dsa2, mit der DSA-Schlüssel bis zu 3072 Bits lang generiert werden können oder die Verwendung von RSA-Schlüsseln, die auch ohne besondere Optionen eine Länge bis zu 4096 Bits haben können.

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