Als ich neulich mit artnoveau, matthiasr und xbg zur Party von reuberlee wollte, blieben wir mit dem Aufzug stecken. Eng aneinander gedrängt, mit Bier, Chips und Smartfones ausgerüstet, nutzten wir die Zeit, um unser von langer Hand geplantes Podcast-Projekt mit einer Flaschenepisode zu beginnen. Hier ist sie also, die erste (und hoffentlich nicht letzte) Folge von „Argh, Niveau !“:
P.S.: Wir wurden natürlich gerettet — ganz kurz, nachdem die Aufnahme abbricht. Aber auf die paar Minuten dramatisches Finale kommt es ja nun auch nicht an.
Schon erstaunlich, dass Axolotl Roadkill auf Krautchan kritischer bewertet wird als vom gesamten deutschen Hochfeuilleton, bestehend aus FAZ, Spiegel, Zeit, SZ usw., die das Buch einhellig euphorisch besprachen. Dabei sollte es doch eigentlich umgekehrt sein, denn:
Mir bereitet es keine Schwierigkeiten, dabei zuzusehen, wie einer Sechsjährigen bei vollem Bewusstsein gleichzeitig mit kochendem Schwefel die Netzhaut ausgebrannt und irgendein Schwanz in den Arsch gerammt wird, und danach verblutet sie halt mit weit geöffneten Augen auf einem Parkplatz — solche Sätze stehen in diesem Buch, ohne Verbindung zu dem, was vor ihnen, und dem, was nach ihnen steht […]
Gewaltfantasien, Pädophilie und Kopierpaste ? Kommt mir irgendwie bekannt vor. Und eigentlich ist es ja auch Zeit für den großen deutschen Coming-of-Im·age·board-Roman, 4chan-Style — zusammengewürfelt aus Fragmenten anonymer Erzählungen, nur echt mit urheberrechtsverneinenden Bildchen neben jedem zweiten Absatz. Nein, ein derartiges Buch hat die gefallene Literaturgöre leider nicht verfasst, aber man wird ja wohl noch träumen dürfen …
Achja, zu Frau Hegemann: Angesichts ihres Angesichts zeigt sogar Bernd echte, ehrliche Emotionen:
Nachdem ich mir soeben vornahm, ein tolles, seltenes Taschenbuch zu erwerben, ermuntert durch den Beginn einer bereits etwas angegilbten Dokumentation (schauen sie genau hin, sogar die sexuelle Komponente hatten SIE, bevor unsereins Hamilton und Sturges überhaupt Begrifflichkeiten waren), tritt nun die nächste Phase des Plans in Kraft, meine halbintellektuelle Internetgroupie-Existenz zu festigen: Frei nach dem Vorbild der Riesenmaschinisten (sie wissen ja), lässt sich nun auch Mikroliteratur vom Laien semiprofessionell bewerten.
Einen Preis wird es natürlich nicht geben; Spenden diesbezüglich werden unweigerlich unterschlagen und in andere, ähem, Kanäle fließen (wenn sie verstehen, was ich meine). Auch: Dank an Kathrin für das Hashtag Legomenon; der studierten Nichtliteraturfachperson fällt so etwas im Regelfall kaum zuauf ein.
Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber in letzter Zeit schlafe ich sehr
schlecht. Eigentlich schlafe ich wohl gar nicht mehr richtig, aber ich
bin auch nie richtig wach.
Manchmal, wenn ich mit offenen Augen im Bett liege, sehe ich Tristan in
seinem Zimmer im Tiefparterre. Er sitzt vor einem alten Laptop und
scheuert seinen Schwanz – vergeblich, denn seine Eier sind längst
vertrocknet und sein Hodensack ist nur noch ein mit Staub gefüllter
Beutel, der beim Gehen raschelt. Hin und wieder fließt eine Träne aus
seinem lidlosen Auge, während er leise vor sich hin murmelt.
Ich weiß, er sucht nach dem richtigen Wort, um mich zu vernichten.
Sobald er es gefunden hat, wird er mich anrufen, mir das schreckliche
Wort ins Ohr brüllen und mein ohnehin angegriffener Geist wird in sich
zusammenfallen wie ein Kartenhaus. Ich beobachte eine Spinne an der
Zimmerdecke. Das Telefon klingelt. Ich bin verloren.
Von Florian oneup Hufsky [Link] erfuhr ich erst nach seinem Suizid: Die erste namentliche Erwähnung fand er in einem Tweet von Bre Pettis (Just heard about @oneup. Fuck. Too tallented. Too young. RIP.), kurze Zeit später fragte mich eine Bekannte aus dem Metalab-Umfeld, wie gut ich ihn gekannt habe — wiegesagt, gar nicht.
Natürlich trauere ich nicht, während ich von ihm produzierten Code herunterlade, kompiliere, kleinere Fehler behebe — wie auch ? Ich kannte ihn ja nie. Schade ist es dennoch, gerne hätte ich mich einmal mit einem derart talentierten Künstler unterhalten. Wenn man tatsächlich Leute resimulieren könnte, sofort würde ich anfangen.
So bleibt nur ein diffuses Bild dieser Person, die ich nach Betrachtung ihres Werkes ohne Zögern als genial beschreiben möchte. Ich weiß nicht, ob es als pietätlos angesehen wird, einen Toten nach derartigen Kriterien zu bewerten, aber der Quellcode seiner Programme könnte das Wertvollste sein, dass er der Welt hinterlassen hat: