Die Welt ist gar nicht so.

Sie ist ganz anders.

Archiv für Kategorie „Originärer Inhalt“

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Argh, Niveau ! — Der Podcast im Aufzug

Als ich neulich mit artnoveau, matthiasr und xbg zur Party von reuberlee wollte, blieben wir mit dem Aufzug stecken. Eng aneinander gedrängt, mit Bier, Chips und Smartfones ausgerüstet, nutzten wir die Zeit, um unser von langer Hand geplantes Podcast-Projekt mit einer Flaschenepisode zu beginnen. Hier ist sie also, die erste (und hoffentlich nicht letzte) Folge von „Argh, Niveau !“:

Argh, Niveau ! #1 CC-BY-SA

P.S.: Wir wurden natürlich gerettet — ganz kurz, nachdem die Aufnahme abbricht. Aber auf die paar Minuten dramatisches Finale kommt es ja nun auch nicht an.

erlehmann
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Wildunfall im Feuilleton

Schon erstaunlich, dass Axolotl Roadkill auf Krautchan kritischer bewertet wird als vom gesamten deutschen Hochfeuilleton, bestehend aus FAZ, Spiegel, Zeit, SZ usw., die das Buch einhellig euphorisch besprachen. Dabei sollte es doch eigentlich umgekehrt sein, denn:

Mir bereitet es keine Schwierigkeiten, dabei zuzusehen, wie einer Sechsjährigen bei vollem Bewusstsein gleichzeitig mit kochendem Schwefel die Netzhaut ausgebrannt und irgendein Schwanz in den Arsch gerammt wird, und danach verblutet sie halt mit weit geöffneten Augen auf einem Parkplatz — solche Sätze stehen in diesem Buch, ohne Verbindung zu dem, was vor ihnen, und dem, was nach ihnen steht […]

Gewaltfantasien, Pädophilie und Kopierpaste ? Kommt mir irgendwie bekannt vor. Und eigentlich ist es ja auch Zeit für den großen deutschen Coming-of-Im·age·board-Roman, 4chan-Style — zusammengewürfelt aus Fragmenten anonymer Erzählungen, nur echt mit urheberrechtsverneinenden Bildchen neben jedem zweiten Absatz. Nein, ein derartiges Buch hat die gefallene Literaturgöre leider nicht verfasst, aber man wird ja wohl noch träumen dürfen …

Achja, zu Frau Hegemann: Angesichts ihres Angesichts zeigt sogar Bernd echte, ehrliche Emotionen:

Mir tut das Mädchen einfach nur leid. Eigentlich würde ich mich über so eine dämliche Plagiatorin köstlich amüsieren, weil ich ihr den Erfolg und das Mädchen-Sein neiden würde, aber die arme Helene ist so verdammt häßlich, dass da keine Häme aufkommen will.

Mit diesem groben und unförmigen Gesichtchen, der furchtbaren Haut und den dünnen und strähnigen Haaren könnte sie noch ein paar andere Mädchen häßlich machen. Sie wird nie der erotische Traum eines Jungen sein, was fast allen Mädchen gerade ihres Alters vergönnt ist, egal wie sehr sie sich auch anstrengt (ein dickes Mädchen könnte etwa abnehmen, aber sie..?), und der einzige Weg, nun doch etwas Achtung und Anerkennung zu bekommen, war diese Literatenkarriere, die nun so früh schon ein schmähliches und erbärmliches Ende gefunden hat.

Im Übrigen habe ich Axolotl Roadkill nie gelesen.

erlehmann
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Wettererscheinungen analog zur Gefühlslage des Protagonisten

Nachdem ich mir soeben vornahm, ein tolles, seltenes Taschenbuch zu erwerben, ermuntert durch den Beginn einer bereits etwas angegilbten Dokumentation (schauen sie genau hin, sogar die sexuelle Komponente hatten SIE, bevor unsereins Hamilton und Sturges überhaupt Begrifflichkeiten waren), tritt nun die nächste Phase des Plans in Kraft, meine halbintellektuelle Internetgroupie-Existenz zu festigen: Frei nach dem Vorbild der Riesenmaschinisten (sie wissen ja), lässt sich nun auch Mikroliteratur vom Laien semiprofessionell bewerten.

Meine Damen und Herren, liebe Roboter, ich präsentiere ihnen die automagische Twitteraturkritik.

Einen Preis wird es natürlich nicht geben; Spenden diesbezüglich werden unweigerlich unterschlagen und in andere, ähem, Kanäle fließen (wenn sie verstehen, was ich meine). Auch: Dank an Kathrin für das Hashtag Legomenon; der studierten Nichtliteraturfachperson fällt so etwas im Regelfall kaum zu auf ein.

erlehmann
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Eine Geschichte aus Nordberlin

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber in letzter Zeit schlafe ich sehr schlecht. Eigentlich schlafe ich wohl gar nicht mehr richtig, aber ich bin auch nie richtig wach.

Manchmal, wenn ich mit offenen Augen im Bett liege, sehe ich Tristan in seinem Zimmer im Tiefparterre. Er sitzt vor einem alten Laptop und scheuert seinen Schwanz – vergeblich, denn seine Eier sind längst vertrocknet und sein Hodensack ist nur noch ein mit Staub gefüllter Beutel, der beim Gehen raschelt. Hin und wieder fließt eine Träne aus seinem lidlosen Auge, während er leise vor sich hin murmelt.

Ich weiß, er sucht nach dem richtigen Wort, um mich zu vernichten. Sobald er es gefunden hat, wird er mich anrufen, mir das schreckliche Wort ins Ohr brüllen und mein ohnehin angegriffener Geist wird in sich zusammenfallen wie ein Kartenhaus. Ich beobachte eine Spinne an der Zimmerdecke. Das Telefon klingelt. Ich bin verloren.

erlehmann
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Zum Tod eines Hackers

Pixel creatures are fighting in a city landscape.
Ghost Town CC-BY-SA

Von Florian oneup Hufsky [Link] erfuhr ich erst nach seinem Suizid: Die erste namentliche Erwähnung fand er in einem Tweet von Bre Pettis (Just heard about @oneup. Fuck. Too tallented. Too young. RIP.), kurze Zeit später fragte mich eine Bekannte aus dem Metalab-Umfeld, wie gut ich ihn gekannt habe — wiegesagt, gar nicht.

Das enorme Echo der trauernden Netzwelt machte mich jedoch neugierig; in den letzten Tagen durchforstete ich seine digitalen Hinterlassenschaften, Webseite für Webseite, Repository für Repository. Soup, Laser Grafitti, die Piratenpartei Österreichs, mehrere innovative Spiele — mit beinahe jedem Fund bedauerte ich es ein wenig mehr, dass ich den Urheber bzw. Mitarbeiter dieser Projekte nie kennen lernen werde.

Natürlich trauere ich nicht, während ich von ihm produzierten Code herunterlade, kompiliere, kleinere Fehler behebe — wie auch ? Ich kannte ihn ja nie. Schade ist es dennoch, gerne hätte ich mich einmal mit einem derart talentierten Künstler unterhalten. Wenn man tatsächlich Leute resimulieren könnte, sofort würde ich anfangen.

So bleibt nur ein diffuses Bild dieser Person, die ich nach Betrachtung ihres Werkes ohne Zögern als genial beschreiben möchte. Ich weiß nicht, ob es als pietätlos angesehen wird, einen Toten nach derartigen Kriterien zu bewerten, aber der Quellcode seiner Programme könnte das Wertvollste sein, dass er der Welt hinterlassen hat:

Die digitale Verwesung hat schon angefangen: Due in part to Florian Hufsky’s death, the forum has moved, as the server might be shut down without warning […]. Also forkt, solange es noch geht.

erlehmann