Die Welt ist gar nicht so.

Sie ist ganz anders.

Archiv für Kategorie „Rants“

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Wildunfall im Feuilleton

Schon erstaunlich, dass Axolotl Roadkill auf Krautchan kritischer bewertet wird als vom gesamten deutschen Hochfeuilleton, bestehend aus FAZ, Spiegel, Zeit, SZ usw., die das Buch einhellig euphorisch besprachen. Dabei sollte es doch eigentlich umgekehrt sein, denn:

Mir bereitet es keine Schwierigkeiten, dabei zuzusehen, wie einer Sechsjährigen bei vollem Bewusstsein gleichzeitig mit kochendem Schwefel die Netzhaut ausgebrannt und irgendein Schwanz in den Arsch gerammt wird, und danach verblutet sie halt mit weit geöffneten Augen auf einem Parkplatz — solche Sätze stehen in diesem Buch, ohne Verbindung zu dem, was vor ihnen, und dem, was nach ihnen steht […]

Gewaltfantasien, Pädophilie und Kopierpaste ? Kommt mir irgendwie bekannt vor. Und eigentlich ist es ja auch Zeit für den großen deutschen Coming-of-Im·age·board-Roman, 4chan-Style — zusammengewürfelt aus Fragmenten anonymer Erzählungen, nur echt mit urheberrechtsverneinenden Bildchen neben jedem zweiten Absatz. Nein, ein derartiges Buch hat die gefallene Literaturgöre leider nicht verfasst, aber man wird ja wohl noch träumen dürfen …

Achja, zu Frau Hegemann: Angesichts ihres Angesichts zeigt sogar Bernd echte, ehrliche Emotionen:

Mir tut das Mädchen einfach nur leid. Eigentlich würde ich mich über so eine dämliche Plagiatorin köstlich amüsieren, weil ich ihr den Erfolg und das Mädchen-Sein neiden würde, aber die arme Helene ist so verdammt häßlich, dass da keine Häme aufkommen will.

Mit diesem groben und unförmigen Gesichtchen, der furchtbaren Haut und den dünnen und strähnigen Haaren könnte sie noch ein paar andere Mädchen häßlich machen. Sie wird nie der erotische Traum eines Jungen sein, was fast allen Mädchen gerade ihres Alters vergönnt ist, egal wie sehr sie sich auch anstrengt (ein dickes Mädchen könnte etwa abnehmen, aber sie..?), und der einzige Weg, nun doch etwas Achtung und Anerkennung zu bekommen, war diese Literatenkarriere, die nun so früh schon ein schmähliches und erbärmliches Ende gefunden hat.

Im Übrigen habe ich Axolotl Roadkill nie gelesen.

erlehmann
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Enke, Bild & die Poesiealbum-Kommentare

Jemand bei der Bildzeitung ist ganz offenbar zu blöde, um die Exif-Daten eines Bildes in einem der zahllosen Robert-Enke-Gedenkartikel zu entfernen. Konkret geht es um dieses Bild, in welchem ein Kommentar eingebettet ist, der tief blicken lässt (Daten hier unkenntlich gemacht):

Leserreporter darf nicht genannt werden..Handydaten da ..12.11.09..LR hat nachgeschickt ….Mobil: 0151-53xxxxxx, Bodo Rxxxxxx….

Das geht noch einige Zeit so weiter, bis dann auch die Email-Adresse des Betreffenden genannt wird. Danke Bild, ich kann mir echt prima ausmalen, wie ihr erst im Ernstfall eure Quellen schützt !

….Von: Bodo Rxxxxxx [mailto:bodo.rxxxxxx@online.de] ..Gesendet: Donnerstag, 12. November 2009 00:44..An: ‘info@bild.de’..Betreff: Freundschaftsbuch mit Robert Enke..Wichtigkeit: Hoch…. ….Hallo, …. ….zum angegeben Text hier noch ein paar Fotos, die die Korrektheit bestätigen. Vielen Dank , Gruß Bodo….

Aufgedeckt hat das ganze übrigens ein Nutzer der kritischen Internetplattform Krautchan:

Screenshot von Krautchan, der verräterischen EXIF-Kommentar eines Bildes zeigt.
erlehmann
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Sarrazin-Zitate hausgemacht

Der Zentralrat ist empört über die menschenverachtende Menschenverachtung Thilo Sarrazins, vergleicht seine Denke mit Göring, Goebbels und Hitler, fordert seinen Rücktritt — und liegt in seiner Einschätzung im entscheidenden Detail falsch: Sarrazin ist kein Nazi, auch nicht Rassist, er unterteilt einfach die Menschen in systemnützlich und systemschädlich, ganz ohne Ansehen von Rasse, Herkunft oder Geschlecht. Und das er dies offen gefühllos, kaum konstruktiv (man denke an das Hartz-IV-Menü) und unzulässig pauschalisierend (Die Türken erobern Deutschland […]) kundtut, ruft (zu Recht !) die medialen Geier auf den Plan, die sich laben am frisch angerichteten Drama.

Dennoch: Zurückgetreten wurde er bisher nicht; das Ende der Fahnenstange ist logischerweise noch lange nicht erreicht. Da nicht abzusehen ist, dass der ehemalige Anti-Sozialsenator in Zukunft die Klappe halten wird, kann es also nur einen Weg geben, die sarrazinmäßige Flucht nach vorn — und nichts bietet sich hier besser an als strategisch-rhetorische Hilfestellung für weitere Missetaten, auf das das Maß hoffentlich schnell überschwappt. Hier also einige Vorschläge, was Sarrazin noch so sagen könnte (und ohne Auftreten einer unvorhergesehenen Schädigung des Sprachzentrums wohl wird):

Der Aufzug im Fernsehturm ist stecken geblieben und ich musste dort auch auf engstem Raum mit fremden Leuten ausharren. Ich kann das ganze Theater um die Sache nicht nachvollziehen.

— über Anne Frank

Ich kann ihnen versichern, dass eine solche Maßnahme die Arbeitslosen annähernd halbieren würde.

— über das Köpfen von Hartz-IV-Empfängern

Dennoch sollte man nicht vergessen, dass die Gesellschaft davon profitiert, wenn sich junge Menschen zusammentun und gemeinsam versuchen, die Stadt, in der wir leben, zu einem besseren Ort zu machen.

— über die Zunahme rechtsextreme Gewalttaten

Geben ist seliger als nehmen — das steht ja auch schon in der Bibel und daran hat sich vom Prinzip her bis heute nichts geändert.

— über die Gewaltvorwürfe gegenüber der Berliner Polizei

Weitere Vorschläge, Lobhudeleien, sowie Kritik am Konzept der Lächerlichmachung selbstgerechter Arschlöcher mittels erfundener Geschmacklosigkeiten bitte in die Kommentare (Stromberg-Ergüsse sind von der Wertung ausgenommen, passen aber ins Konzept).

Hallo Bernds. Hier steht nirgendwo, dass das originaler Inhalt wäre. Nur: Ein KC-Archiv gibt es nunmal nicht. Auch: Wusstet ihr, dass Schüttli mich gebeten hat, nicht mehr auf KC zu verlinken ?

erlehmann
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Sousveillance-Videos und Webstandards

Sousveillance (wörtlich übersetzt „Unterwachung“) stellt ein Gegenkonzept zur Überwachung der Bürger durch staatliche Stellen dar und beantwortet auf brachial simple Weise die Frage „Wer überwacht eigentlich die Wächter ?“: Im Idealfall wird das Verhalten privilegierter Personen, etwa von Polizisten, hierbei durch eine Vielzahl Freiwilliger aufgezeichnet, um möglichen Missbrauch zu dokumentieren.

Seit dem Vorfall bei der Demo am Samstag ist nun deutlich, dass diese Vorgehensweise im Ernstfall nicht nur im Netz mediale Aufmerksamkeit sichert. Ob sie auch Mittel sein kann, die politisch Verantwortlichen zum Handeln zu bringen, die Forderung nach eindeutiger Markierung von Polizisten durchzusetzen, ist noch unklar; eine telefonische Anfrage beim Senat erbrachte keine Erkenntnisse in diese Richtung. Fest steht allerdings: Das Internet ist hier an den alten Medien vorbeigezogen, die sich nicht in der Lage zeigten, auch nur annähernd derart schnell und intensiv zu publizieren.

Ein gehöriges Lob, nicht nur für Verbreitung des Inhaltes, sondern auch für die gewählte Form, gebührt dem CCC und insbesondere Fefe: Die Videodatei ist u.A. im freien Format Theora abrufbar, wird mittels des aus HTML5 stammenden <video>-Elements eingebunden und kann so von modernen Browsern (Chrome, Firefox, Opera) ohne Installation eines Plugins wie z.B. dem proprietären Adobe Flash dargestellt werden. Gleichzeitig fallen keine Lizenzzahlungen an, die ab 2010 für Web-Videoinhalte in MPEG-Formaten vorgesehen sind.

Leider sieht es allerdings auf anderen Blogs immer noch unbefriedigend aus, was das Agenda-Setting für freie Medienformate betrifft: Insbesondere Netzpolitik.org verwendet im entsprechenden Beitrag ausschließlich Youtube-Embeds und damit Flash — bei einem Blog, deren Betreiber sich an anderer Stelle explizit für freie Software und offene Standards aussprechen, untergräbt dies die eigene Glaubwürdigkeit.

Dass es strategisch durchaus Sinn macht, Theora zu verwenden, stellt übrigens auch Ian Hickson, Editor des HTML5-Standards, klar: Der Apple-Browser Safari unterstützt das freie Videoformat bisher nicht, eine kontinuierliche Verwendung sieht Hickson jedoch als besten Weg, Apple zu überzeugen. Für diesen Fall, so erläutert er weiterhin, wäre eine kritische Masse erreicht, mit der Theora auch offiziell als Standardformat vorgeschrieben werden könnte.

Wer Theora-Videos auf seiner eigenen Webseite einbinden möchte, sollte sich den entsprechenden Abschnitt im Theora-Kochbuch anschauen. Die FSF hat auch ein FAQ zum Thema.

erlehmann
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Die alte Frau und das Netz

Dann kommen sie Schlag auf Schlag, die jungen, vergewaltigten Kinder (die alte Dame hält sich erschrocken den Mund zu), der Millionenmarkt mit seinen Drahtziehern (die alte Dame hält sich die Ohren zu), die ahnungslosen Surfer, die von kinderpornografischem Material angefixt werden (die alte Dame schließt die Augen) und immer wieder: die armen Kinder (die alte Dame weint).

Nichts grundsätzlich neues schreibt Malte Hübner da; es sollte hinreichend bekannt sein, wie die auswendig gelernten Phrasen der Ursula von der Leyen klingen und was ihre Wirkungsabsicht ist. Schön formuliert ist sie allerdings allemal, die Erzählung von den Vorkommnissen einer CDU-Veranstaltung, bei der die Familienministerin von einem gefährlichen Terroristen unhöflichen Störer mit Wasser attackiert wurde (auf der kritischen Internetplattform Krautchan ist latürnich wieder mal ein Geständnis aufgetaucht).

Angesichts der immer gleichen bizarren Schreckensrhetorik frage ich mich übrigens, wie absurd effekthascherisch die strategisch verbreiteten Geschmacklosigkeiten noch werden können, bevor die Zielgruppe sich vollends verarscht fühlt (nein, ich rechne nicht damit, dass das je passiert). Wie wäre es denn hiermit ?

Wenn ich von Kinderpornografie im Internet spreche, spreche ich nicht davon, dass nackte Kinder posieren; das ist schlimm genug. Ich spreche von Babys, die gefesselt von der Decke hängen und mit Harken so lange vergewaltigt werden, bis sie an inneren Verletzungen sterben, während Millionen von Menschen jeweils 1000 Euro pro Stunde bezahlen, um sich das live im Internet anzuschauen. Das ist das Problem, über das wir hier reden.

erlehmann