Die Welt ist gar nicht so.

Sie ist ganz anders.

Archiv für Kategorie „Rants“

Kein Kommentar

Aufruf an die Leser: Moskitonetz daheim lassen !

Mit einem kleinen Aufruf wendet sich Die Welt ist gar nicht so heute an die Urlauber unter den Lesern:
Verzichtet bitte auf Moskitonetze, Fliegenklatsche und entzündungshemmende Salbe !

Wir können den Einsatz derartiger Mittel durchaus verstehen: Hier und da ist der Ausflug ins Grüne kaum zu genießen, weil die Anzahl der Mücken im lokalen Feuchtgebiet wieder einmal in die Millionen geht. Sprays und klebrige Streifen helfen hier zuverlässig, wenigstens beim Einatmen keine Sorgen zu haben. Und nur allzu bequem ist es, mit einem Fetzen Stoff einfach dafür zu sorgen, dass sämtliche Blutsauger draußen gehalten werden — das verhindert zudem auch das Blankliegen der Nerven aufgrund ständigen Surrens. Nichtsdestotrotz handelt es sich um ein boshaftes Erschleichen von Leistungen, d.h. ungestörtem Erholen ohne schmerzhafte Quaddeln.

Einen sehr guten und richtigen Artikel zu diesem Thema hat übrigens Frank P., ein prominenter Vertreter der Blutsauger, vor ein paar Monaten bei Spiegel Online gebracht. P. schreibt hier:

Notwendig ist ein Bewusstseinswandel. Wer Mückenstiche als Belästigung wahrnimmt, sollte sich eines klarmachen: Der Deal, der auch dieses Angebot hier möglich macht, funktioniert nur, solange nicht zu viele Urlauber Moskitonetze benutzen. Mückenstichverweigerer haben die Freiheit belästigungsfreier Erholung nur, solange sich ihnen nicht zu viele Urlauber anschließen. Steigt der Prozentsatz der Verweigerer zu stark, sind Parasiten schließlich nicht mehr überlebensfähig.

Wir hoffen, dass sich möglichst viele Leser dieses Blogs dem Aufruf anschließen und Moskitonetze o.Ä. daheim lassen; danke dafür !

erlehmann
Kein Kommentar

Wildunfall im Feuilleton

Schon erstaunlich, dass Axolotl Roadkill auf Krautchan kritischer bewertet wird als vom gesamten deutschen Hochfeuilleton, bestehend aus FAZ, Spiegel, Zeit, SZ usw., die das Buch einhellig euphorisch besprachen. Dabei sollte es doch eigentlich umgekehrt sein, denn:

Mir bereitet es keine Schwierigkeiten, dabei zuzusehen, wie einer Sechsjährigen bei vollem Bewusstsein gleichzeitig mit kochendem Schwefel die Netzhaut ausgebrannt und irgendein Schwanz in den Arsch gerammt wird, und danach verblutet sie halt mit weit geöffneten Augen auf einem Parkplatz — solche Sätze stehen in diesem Buch, ohne Verbindung zu dem, was vor ihnen, und dem, was nach ihnen steht […]

Gewaltfantasien, Pädophilie und Kopierpaste ? Kommt mir irgendwie bekannt vor. Und eigentlich ist es ja auch Zeit für den großen deutschen Coming-of-Im·age·board-Roman, 4chan-Style — zusammengewürfelt aus Fragmenten anonymer Erzählungen, nur echt mit urheberrechtsverneinenden Bildchen neben jedem zweiten Absatz. Nein, ein derartiges Buch hat die gefallene Literaturgöre leider nicht verfasst, aber man wird ja wohl noch träumen dürfen …

Achja, zu Frau Hegemann: Angesichts ihres Angesichts zeigt sogar Bernd echte, ehrliche Emotionen:

Mir tut das Mädchen einfach nur leid. Eigentlich würde ich mich über so eine dämliche Plagiatorin köstlich amüsieren, weil ich ihr den Erfolg und das Mädchen-Sein neiden würde, aber die arme Helene ist so verdammt häßlich, dass da keine Häme aufkommen will.

Mit diesem groben und unförmigen Gesichtchen, der furchtbaren Haut und den dünnen und strähnigen Haaren könnte sie noch ein paar andere Mädchen häßlich machen. Sie wird nie der erotische Traum eines Jungen sein, was fast allen Mädchen gerade ihres Alters vergönnt ist, egal wie sehr sie sich auch anstrengt (ein dickes Mädchen könnte etwa abnehmen, aber sie..?), und der einzige Weg, nun doch etwas Achtung und Anerkennung zu bekommen, war diese Literatenkarriere, die nun so früh schon ein schmähliches und erbärmliches Ende gefunden hat.

Im Übrigen habe ich Axolotl Roadkill nie gelesen.

erlehmann
2 Kommentare

Enke, Bild & die Poesiealbum-Kommentare

Jemand bei der Bildzeitung ist ganz offenbar zu blöde, um die Exif-Daten eines Bildes in einem der zahllosen Robert-Enke-Gedenkartikel zu entfernen. Konkret geht es um dieses Bild, in welchem ein Kommentar eingebettet ist, der tief blicken lässt (Daten hier unkenntlich gemacht):

Leserreporter darf nicht genannt werden..Handydaten da ..12.11.09..LR hat nachgeschickt ….Mobil: 0151-53xxxxxx, Bodo Rxxxxxx….

Das geht noch einige Zeit so weiter, bis dann auch die Email-Adresse des Betreffenden genannt wird. Danke Bild, ich kann mir echt prima ausmalen, wie ihr erst im Ernstfall eure Quellen schützt !

….Von: Bodo Rxxxxxx [mailto:bodo.rxxxxxx@online.de] ..Gesendet: Donnerstag, 12. November 2009 00:44..An: ‘info@bild.de’..Betreff: Freundschaftsbuch mit Robert Enke..Wichtigkeit: Hoch…. ….Hallo, …. ….zum angegeben Text hier noch ein paar Fotos, die die Korrektheit bestätigen. Vielen Dank , Gruß Bodo….

Aufgedeckt hat das ganze übrigens ein Nutzer der kritischen Internetplattform Krautchan:

Screenshot von Krautchan, der verräterischen EXIF-Kommentar eines Bildes zeigt.
erlehmann
Kein Kommentar

Wie voxpark für primacall arbeitet

Bekommen sie gerne Spam ? wollte ich vom Callcenter-Angestellten am anderen Ende des Tisches wissen, der mir nach kurzer Pause bedeutete, meine Frage zu wiederholen. Bekommen sie gerne Spam ?Nein. antwortete der Anzugträger, Wieso wollen Sie das wissen ? Ich winkte ab, worauf er weiter über den Bereich A2 — Aktivierung […] potentieller Kunden — referierte. Den anderen Bewerbern sollte klar sein, worauf meine Frage abzielte.

Zwanzig Minuten vorher, gegen halb zehn, hatte ich noch im Foyer der voxpark GmbH gesessen, geködert von der Aussicht, fürs Reden bezahlt zu werden. Fine Phine, eine ehemalige Schulkameradin, hatte erwähnt, hier mal gearbeitet zu haben. Als ich vor der Uni angesprochen wurde, war ich also nicht abgeneigt — bis sich herausstellte, dass die Arbeit darin bestand, Adresslisten abzutelefonieren, um Leuten Telefontarife zu verkaufen. Gezielt fremde Leute […] anrufen und damit auf einer Stufe mit Staubsauger Vodafonevertretern und den Zeugen Jehovas stehen wollte ich nicht; meine Bekannte war da wohl etwas weniger sensibel.

Einige Monate später kontaktierte man mich erneut: Diesmal ginge es nur um Bestandskunden, also Leute, mit denen bereits eine Vertragsbeziehung bestehe. Ein Termin wurde für Donnertag vereinbart und, als ich kurzfristig nicht konnte, auf Freitag verlegt. Schließlich saß ich zusammen mit acht weiteren Bewerbern um einen Tisch. Kurz tauschte man sich aus, einige hatten ähnliche Geschichten vorzuweisen. Wer nicht schwieg, teilte die Ablehnung […] gegen die Aktivierungsabteilung A2: Einer bestand sogar darauf, dass diese Art der Akquise seit drei Monaten kriminell sei, es wäre ein neues Gesetz erlassen worden. Dann erschien ein junger Mann, der uns einweisen sollte; es wurde still.

Recht schnell eröffnete dieser uns, dass man, bevor man im Bestandskundenprojekt eingesetzt würde, mindestens einige Tage in der Aktivierung arbeiten müsse, um das Telefonieren zu lernen. Diese Ankündigung rief allgemeines Missfallen hervor — ich und ein weiterer Beteiligter erhoben sich bereits, da holte der Angestellte einen Kollegen, welcher uns jedoch ebenfalls nicht zum Bleiben überreden konnte: Nach kurzem Geplänkel (s.o.) verließen nunmehr vier Personen die Vorstellungsrunde. Beim Verlassen des Gebäudes bedeutete ich der Rezeptionistin, meine Telefonnummer zu löschen.

Fassen wir also zusammen:

  • voxpark produziert Telefon-Spam (übrigens im Auftrag der Primacall).
  • voxpark lügt Bewerber an, von wegen es gehe nur um Bestandskunden.

Und das, liebe Kinder, sind zwei gute Gründe, warum man nicht dort arbeiten möchte.

Spreeblick hat bereits 2007 einen Primacall-Mitarbeiter interviewt und wurde prompt abgemahnt (via verbraucherrechtliches …).

Nachdem ich einen Brief von einer Anwaltskanzlei bekam, wurde dieser Beitrag ohne Anerkennung einer Rechtspflicht nachträglich abgeändert, damit ich keine Briefe von dieser Anwaltskanzlei mehr bekomme; veränderte Stellen und Auslassungen sind durch Ellipsen in eckigen Klammern markiert. An dieser Stelle vielen Dank an Johnny Häusler und Dennis Sevriens.

erlehmann
Kein Kommentar

Sarrazin-Zitate hausgemacht

Der Zentralrat ist empört über die menschenverachtende Menschenverachtung Thilo Sarrazins, vergleicht seine Denke mit Göring, Goebbels und Hitler, fordert seinen Rücktritt — und liegt in seiner Einschätzung im entscheidenden Detail falsch: Sarrazin ist kein Nazi, auch nicht Rassist, er unterteilt einfach die Menschen in systemnützlich und systemschädlich, ganz ohne Ansehen von Rasse, Herkunft oder Geschlecht. Und das er dies offen gefühllos, kaum konstruktiv (man denke an das Hartz-IV-Menü) und unzulässig pauschalisierend (Die Türken erobern Deutschland […]) kundtut, ruft (zu Recht !) die medialen Geier auf den Plan, die sich laben am frisch angerichteten Drama.

Dennoch: Zurückgetreten wurde er bisher nicht; das Ende der Fahnenstange ist logischerweise noch lange nicht erreicht. Da nicht abzusehen ist, dass der ehemalige Anti-Sozialsenator in Zukunft die Klappe halten wird, kann es also nur einen Weg geben, die sarrazinmäßige Flucht nach vorn — und nichts bietet sich hier besser an als strategisch-rhetorische Hilfestellung für weitere Missetaten, auf das das Maß hoffentlich schnell überschwappt. Hier also einige Vorschläge, was Sarrazin noch so sagen könnte (und ohne Auftreten einer unvorhergesehenen Schädigung des Sprachzentrums wohl wird):

Der Aufzug im Fernsehturm ist stecken geblieben und ich musste dort auch auf engstem Raum mit fremden Leuten ausharren. Ich kann das ganze Theater um die Sache nicht nachvollziehen.

— über Anne Frank

Ich kann ihnen versichern, dass eine solche Maßnahme die Arbeitslosen annähernd halbieren würde.

— über das Köpfen von Hartz-IV-Empfängern

Dennoch sollte man nicht vergessen, dass die Gesellschaft davon profitiert, wenn sich junge Menschen zusammentun und gemeinsam versuchen, die Stadt, in der wir leben, zu einem besseren Ort zu machen.

— über die Zunahme rechtsextreme Gewalttaten

Geben ist seliger als nehmen — das steht ja auch schon in der Bibel und daran hat sich vom Prinzip her bis heute nichts geändert.

— über die Gewaltvorwürfe gegenüber der Berliner Polizei

Weitere Vorschläge, Lobhudeleien, sowie Kritik am Konzept der Lächerlichmachung selbstgerechter Arschlöcher mittels erfundener Geschmacklosigkeiten bitte in die Kommentare (Stromberg-Ergüsse sind von der Wertung ausgenommen, passen aber ins Konzept).

Hallo Bernds. Hier steht nirgendwo, dass das originaler Inhalt wäre. Nur: Ein KC-Archiv gibt es nunmal nicht. Auch: Wusstet ihr, dass Schüttli mich gebeten hat, nicht mehr auf KC zu verlinken ?

erlehmann