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Archiv für Tag „kinderporno“

Ein Kommentar

Die alte Frau und das Netz

Dann kommen sie Schlag auf Schlag, die jungen, vergewaltigten Kinder (die alte Dame hält sich erschrocken den Mund zu), der Millionenmarkt mit seinen Drahtziehern (die alte Dame hält sich die Ohren zu), die ahnungslosen Surfer, die von kinderpornografischem Material angefixt werden (die alte Dame schließt die Augen) und immer wieder: die armen Kinder (die alte Dame weint).

Nichts grundsätzlich neues schreibt Malte Hübner da; es sollte hinreichend bekannt sein, wie die auswendig gelernten Phrasen der Ursula von der Leyen klingen und was ihre Wirkungsabsicht ist. Schön formuliert ist sie allerdings allemal, die Erzählung von den Vorkommnissen einer CDU-Veranstaltung, bei der die Familienministerin von einem gefährlichen Terroristen unhöflichen Störer mit Wasser attackiert wurde (auf der kritischen Internetplattform Krautchan ist latürnich wieder mal ein Geständnis aufgetaucht).

Angesichts der immer gleichen bizarren Schreckensrhetorik frage ich mich übrigens, wie absurd effekthascherisch die strategisch verbreiteten Geschmacklosigkeiten noch werden können, bevor die Zielgruppe sich vollends verarscht fühlt (nein, ich rechne nicht damit, dass das je passiert). Wie wäre es denn hiermit ?

Wenn ich von Kinderpornografie im Internet spreche, spreche ich nicht davon, dass nackte Kinder posieren; das ist schlimm genug. Ich spreche von Babys, die gefesselt von der Decke hängen und mit Harken so lange vergewaltigt werden, bis sie an inneren Verletzungen sterben, während Millionen von Menschen jeweils 1000 Euro pro Stunde bezahlen, um sich das live im Internet anzuschauen. Das ist das Problem, über das wir hier reden.

erlehmann
Ein Kommentar

Liebe Frau von der Leyen …

Ihr Vorschlag (via Netzpolitik) sieht einen

  • technischen
  • legislativen
  • markt-basierten
  • auf Selbstjustiz setzenden
Ansatz zur Bekämpfung von Kinderpornografie vor.

Ihre Idee wird nicht funktionieren. Hier eine Erklärung, weswegen sie nicht funktionieren wird:

  • Webseiten können einfach ihre IP-Adressen ändern.
  • Legale Nutzungsmöglichkeiten werden in Mitleidenschaft gezogen.
  • Niemand ist in der Lage, den Betreiber einer Webseite festzustellen.
  • Brute-Force-Angriffe funktionieren immer noch.
  • Die Nutzer des Webs werden sich nicht damit abfinden.
  • Microsoft wird sich nicht damit abfinden.
  • Die Polizei wird sich nicht damit abfinden.
  • Ihr Ansatz setzt auf Kooperation der Anbieter.
  • Ihr Ansatz setzt auf sofortige Kooperation aller Beteiligten.
  • ISPs können es sich nicht leisten, massiv Kunden zu verschrecken.
  • Anbietern von Kinderpornografie ist die Legalität des betreffenden Materials egal.

Im Spezifischen vernachlässigt Ihr Ansatz Folgendes:

Die folgenden philosophischen Überlegungen treffen wohl ebenfalls zu:

  • Ähnliche Ideen werden immer wieder vorgeschlagen, haben sich aber nicht als umsetzbar erwiesen.
  • Selbst mit Opt-out wäre der Ansatz nicht akzeptabel.
  • Die Bedeutung von HTTP-Headern sollte nicht in Gesetzen geregelt werden.
  • Schwarze Listen sind scheiße.
  • Weiße Listen sind scheiße.
  • Wir sollten in der Lage sein, über illegale Inhalte zu reden, ohne Zensur befürchten zu müssen.
  • Gegenmaßnahmen sollten nicht auf Kreditkartenbetrug beruhen.
  • Gegenmaßnahmen sollten nicht die Sabotage öffentlicher Netzwerke beinhalten.
  • Gegenmaßnahmen sollten auch funktionieren, wenn sie graduell eingeführt werden.
  • Im WWW sollte absolute Redefreiheit herrschen.
  • Warum sollten wir Servern des Innenministeriums vertrauen ?
  • Ihr Ansatz ist inkompatibel mit der Idee freier Software.
  • Populistische Maßnahmen wie diese helfen nicht bei der Problemlösung.
  • Dynamisches DNS ist kompliziert.
  • Ich möchte nicht, dass die Regierung versucht, meinen HTTPS-Traffic zu belauschen.
  • Auf diese Weise durchgeführte Exekutionen sind nicht langsam und schmerzvoll genug.

Desweiteren halte ich Folgendes von Ihnen:

  • Tut mir leid, das wird nicht funktionieren.
  • Das ist ein idiotischer Vorschlag und Sie machen sich zum Idioten, indem Sie so etwas vorschlagen.
  • Netter Versuch, Arschloch ! Wenn ich rausfinde, wo du wohnst, zünde ich dein Haus an !

(Nach einer Idee von HungryHobo.)

erlehmann