<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Die Welt ist gar nicht so. &#187; drm</title>
	<atom:link href="http://blog.dieweltistgarnichtso.net/tag/drm/feed" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://blog.dieweltistgarnichtso.net</link>
	<description>Sie ist ganz anders.</description>
	<lastBuildDate>Mon, 23 Sep 2013 15:41:20 +0000</lastBuildDate>
	<language>de-DE</language>
		<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
		<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=4.0.35</generator>
	<item>
		<title>Achtung, Patent anmelden!: Interview mit Karlheinz Brandenburg</title>
		<link>http://blog.dieweltistgarnichtso.net/achtung-patent-anmelden</link>
		<comments>http://blog.dieweltistgarnichtso.net/achtung-patent-anmelden#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 30 Jul 2011 13:00:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[erlehmann]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Recht]]></category>
		<category><![CDATA[Technik]]></category>
		<category><![CDATA[aac]]></category>
		<category><![CDATA[drm]]></category>
		<category><![CDATA[html5]]></category>
		<category><![CDATA[mp3]]></category>
		<category><![CDATA[mpeg]]></category>
		<category><![CDATA[patent]]></category>
		<category><![CDATA[rand]]></category>
		<category><![CDATA[vorbis]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.dieweltistgarnichtso.net/?p=3042</guid>
		<description><![CDATA[Im Rahmen der Musikkonferenz all2gethernow ergab sich die Möglichkeit, Karlheinz Brandenburg zu interviewen, der mit seinen Forschungen im Bereich Audiokompression die Grundlagen für die Formate MP3 und AAC geschaffen hat. Auf der all2gethernow war er Teilnehmer einer Diskussion zum Einsatz &#8230; <a href="http://blog.dieweltistgarnichtso.net/achtung-patent-anmelden">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>
<a href="http://a-2-n.de/blog/mp3-erfinder-bei-der-all2gethernow">Im Rahmen der Musikkonferenz <i>all2gethernow</i></a> ergab sich die Möglichkeit, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Karlheinz_Brandenburg"><i>Karlheinz Brandenburg</i></a> zu interviewen, der mit seinen Forschungen im Bereich Audiokompression die Grundlagen für die Formate <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/MP3"><i><abbr title="MPEG -1 Layer 3">MP3</abbr></i></a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Advanced_Audio_Coding"><i><abbr title="Advanced Audio Coding">AAC</abbr></i></a> geschaffen hat. Auf der <i>all2gethernow</i> war er Teilnehmer einer <a href="http://a2n2010.sched.org/event/1ae730e7147da21e7fca7b3f7565157a">Diskussion</a> zum Einsatz von digitalen Technologien in der Musikindustrie.
</p>
<p>
Am Anfang des Interviews stand die Frage, wer noch an der Entwicklung von MP3 beteiligt war. Brandenburgs Antwort bestand aus einer <span title="Zu lang, nicht getippt.">langen Liste von Namen</span>. Es reicht an dieser Stelle wohl die Feststellung, dass das verbreitete Audioformat nicht das Werk eines Einzelnen, sondern eines Teams ist.
</p>
<p>
<b>Die Welt ist gar nicht so</b>: Im Jahr 2005 hat die Fraunhofer-Gesellschaft <em>allein mit MP3-Lizenzen</em> <a href="http://web.archive.org/web/20071213035617/http://www.britischebotschaft.de/en/embassy/r&#038;t/notes/rt-fs005_Fraunhofer.html">100 Millionen Euro erwirtschaftet</a>; sie selber halten über ein Dutzend Patente. War ihre primäre Motivation für die Erforschung von Audiotechnologien finanzieller Natur?
</p>
<p>
<b>Karlheinz Brandenburg</b>: Ganz sicher nicht. Wir haben damals auch nicht vom großen Geld geträumt, sondern es war erst einmal meine Forschungsarbeit als Doktorand, d. h. die Hoffnung war, dass die Dinge nicht nur in der Bücherei verstauben, sondern irgendwie tatsächlich angewandt werden. Ich hatte, Gott sei Dank, damals einen Chef — den gerade schon genannten Professor Seitzer — der eben dann sehr früh gesagt hat, wenn es etwas Neues gab, <q>Achtung, Patent anmelden!</q> — und das habe ich pflichtschuldigst gemacht; der Rat hat mir sehr viel Geld gebracht. Und so [ging es] dann auch weiter, dass Fraunhofer […] immer darauf geschaut hat, dass <i xml:lang="en">intellectual property</i> gesichert ist und eben dann Patente vorhanden sind.
</p>
<p>
Aber [das] Motiv zur Arbeit war erstmal wissenschaftliche Neugier, eine Doktorarbeit zu schreiben und etwas, das man gedacht hat, auch so weiter zu bringen — ja in gewissem Sinne der internationale Wettbewerb in der Standardisierung: Jetzt wollen wir schauen, ob wir da nicht Weltmeister werden können!
</p>
<span id="more-3042"></span>
<p>
<b><abbr title="Die Welt ist gar nicht so">D</abbr></b>: Im Jahr 1992, in dem MP3 standardisiert wurde, waren die meisten Computer nicht in der Lage, das Format in Echtzeit abzuspielen. Auch das Internet hatte den <i xml:lang="en">mainstream</i> noch nicht erreicht. Heutzutage hingegen hat mein <em>Mobiltelefon</em> eine Internetanbindung und kann eine Vielzahl von Medienformaten abspielen. Sehen sie die damaligen Standardisierungsbemühungen im Rückblick als <em>naiv</em>? Und welche Features hätten Sie damals hinzugefügt, wenn Sie das Wissen von heute gehabt hätten?
</p>
<p>
<b><abbr title="Karlheinz Brandenburg">KB</abbr></b>: Wenn wir damals mehr [hin]zugefügt hätten, dann wäre es erst später überhaupt anwendbar gewesen und dann hätten wir keinen Erfolg gehabt. Insofern kann man das Rad da nicht zurückdrehen.
</p>
<p>
In AAC haben wir dann manche Dinge in Reinkultur gemacht, [bei denen es] vorher auch noch politische Kompromisse gab. Aber für AAC hatten wir dann auch schon mehr Speicherplatz zur Verfügung; damals waren wir in Zeiten, [in denen] nicht unbedingt jedes einzelne Byte, aber auf jeden Fall jedes Kilobyte gezählt hat — an Speicherbedarf — und, wie Sie gerade schon gesagt haben, <abbr title="Personal Computer">PC</abbr>s, noch für einige Jahre […] nicht schnell genug waren, das [Format] direkt abspielen zu können. […] Uns ist damals schon vorgeworfen worden, dass es viel zu komplex [sei] und man kann da die Zeit nicht überspringen.
</p>
<p>
<b><abbr title="Die Welt ist gar nicht so">D</abbr></b>: Ein Faktor für den großen Erfolg von MP3 war sicherlich das Nichtvorhanden sein von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Digitale_Rechteverwaltung#Digital-Rights-Management-Systeme_.28DRMS.29"><abbr title="Digital Restrictions Management">DRM</abbr></a>. In den späten Neunzigern war der Begriff „MP3“ praktisch Synonym mit unautorisierten Kopien von Musik. Glauben Sie, dass MP3 letztendlich eher einen Schaden oder einen Nutzen für die Musikindustrie darstellte?
</p>
<p>
<b><abbr title="Karlheinz Brandenburg">KB</abbr></b>: Da werden mir manche widersprechen, aber ich denke: Ingesamt eher einen Nutzen. Ich denke, es ist eine Entwicklung damit beschleunigt worden, die sowieso geschehen wäre.
</p>
<p>
Übrigens, der Satz, dass es damals kein DRM [gab], ist falsch: Es gab so etwas in der Richtung — wir haben selber in Erlangen damals an Kopierschutz gearbeitet — es gab sogar einzelne Anwendungen, wie bei der deutschen Telekom „Music on Demand“, die dieses System eingesetzt haben, aber es wurde nicht <em>breit</em> eingesetzt; […] es wurde nicht proaktiv für größere Mengen an Musik eingesetzt, das war das Problem.
</p>
<p>
Aber ich denke, dass es insgesamt der Musik gut getan hat […]. Ich kenne ja mittlerweile eine ganze Menge Musiker, da gibt es eigentlich niemanden, der sich prinzipiell darüber beschwert, sondern die sehen es alle als Erweiterung der Möglichkeiten — als Erweiterung der Möglichkeiten für unbekannte Künster, direkt mit ihren Fans in Kontakt zu [treten], vielleicht auch direkt zu verkaufen. [Es] ist klar, da geht man da in der Masse leicht unter, aber solche Plattformen gibt es ja eine ganze Menge, die gerade den <i xml:lang="en">upcoming artists</i> oder — wenn man es böse sagen will — den Leuten, die <em>wissen</em>, sie sind der beste Musiker, aber der Rest der Welt weiß es noch nicht und das hat auch seinen Grund … also den Leuten hilft, ein Forum zu finden.
</p>
<p>
<b><abbr title="Die Welt ist gar nicht so">D</abbr></b>: Gab es da am Anfang eine Phase, [in der] die Musikindustrie eher gegen MP3 war und ist es irgendwann umgeschlagen in die heutige Stimmung? Und wenn ja, wann war dieser Zeitpunkt?
</p>
<p>
<b><abbr title="Karlheinz Brandenburg">KB</abbr></b>: [Da] muss man unterscheiden, wer in der Musikindustrie [welche Meinung vertritt]: […] Von Leuten, die aktiv selber Musik machen, habe ich über die Jahre hinweg immer nur positives gehört. Wir haben sehr früh Kontakt mit der Musikindustrie aufgenommen — ich bin also selber mal nach <i>Washington D.C.</i> gereist und habe mit den Leuten von der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Recording_Industry_Association_of_America"><abbr title="Recording Industry Association of America">RIAA</abbr></a> über genau die Piraterieproblematik und diese Dinge geredet; das ist uns immer sehr hoch angerechnet worden, d. h. die haben dann auch bei Nachfragen erzählt, sie sehen Fraunhofer als ihren <em>Partner</em> und nicht als ihren <em>Gegner</em>.
</p>
<p>
Es gab aber schon die Erzählungen … ich habe es selber kaum erlebt, aber es muss Leute gegeben haben in der Musikindustrie, die auf das Stichwort „MP3“ hin einen Wutausbrauch gekriegt haben und es hat dann wirklich bis jetzt, bis in die letzten Jahre gedauert, bis der Versuch, DRM — in der Art wie er unternommen wurde, muss ich sagen; ich denke, es hätte vielleicht eine Chance gegeben, wenn man es wirklich als einfach zu bedienenden technischen Standard […] ausgebaut hätte — […] als fehlgeschlagen bezeichnet wurde und dann auch die ganzen großen <i xml:lang="en">labels</i> eingewilligt haben, dass ihr <i xml:lang="en">content</i> auch als MP3 vertrieben wird.
</p>
<p>
<b><abbr title="Die Welt ist gar nicht so">D</abbr></b>: [Das] sieht man ja <a href="http://www.apple.com/de/pr/library/2009/01/06itunes.html">bei iTunes</a> …
</p>
<p>
<b><abbr title="Karlheinz Brandenburg">KB</abbr></b>: Na gut, das ist <em>AAC</em>, aber ohne DRM, ja.
</p>
<p>
<b><abbr title="Die Welt ist gar nicht so">D</abbr></b>: Die nächste Frage: Die Musikindustrie basiert fundamental auf dem Konzept der Verknappung von Musik, um Geld zu erwirtschaften; die Patentindustrie basiert auf der Verknappung von Technologie. Ist diese Analogie ihrer Meinung nach zutreffend und halten sie eines der beiden Geschäftsmodelle für sozialethisch vertretbarer als das andere?
</p>
<p>
<b><abbr title="Karlheinz Brandenburg">KB</abbr></b> (lacht): Ich weiß nicht, ob man Verknappung dazu sagen [sollte] … Patente haben einen ursprünglichen Zweck, den ich für sehr wohl vertretbar halte: Die Erfindung des Patentwesens geht in eine Zeit zurück, [in der] das Normale für technische Erfindungen und Entwicklungen war, dass die Firma, die es gemacht hat, damit Produkte gebaut hat und alle Kenntnis darüber für sich behalten hat. […] Ein Patent ist ein Vertrag mit der Öffentlichkeit: Sozusagen, dass ich dafür, dass ich allen erzähle, wie es geht, das Recht bekomme, auch wieder Lizenz[gebühren] einzusammeln und […] für eine begrenzte Zeit — übrigens viel weniger als Copyright, sondern nur 20 Jahre — dann auch bestimmen zu können, [wie] lizenziert wird und Geld einnehmen kann.
</p>
<p>
<b><abbr title="Die Welt ist gar nicht so">D</abbr></b>: Finden Sie Patente also unterstützenswerter als Urheberrecht?
</p>
<p>
<b><abbr title="Karlheinz Brandenburg">KB</abbr></b>: Auch das Urheberrecht hat seinen Sinn […], aber in einer anderen Art und Weise und da ist viel mehr zu diskutieren, ob das so sein sollte, oder nicht — ich bin nicht prinzipiell gegen das Urheberrecht …
</p>
<p>
<b><abbr title="Die Welt ist gar nicht so">D</abbr></b>: … angesichts der Fristen, meine ich …
</p>
<p>
<b><abbr title="Karlheinz Brandenburg">KB</abbr></b>: … und die Fristen, die über lange Zeit immer so <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Copyright_Term_Extension_Act">verlängert wurden, dass <i>Micky Maus</i> gerade noch darunter fällt</a>, da muss man sich schon fragen: „Ist das wirklich sinnvoll so?“
</p>
<p>
Aber bei den Patenten gehts noch weiter: Wenn ein Patent für eine standardisierte Technologie eingesetzt wird, dann ist eine Bedingung das sog. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/RAND_%28Lizenzierung%29"><i xml:lang="en">Reasonable and Non Discriminatory Licensing</i></a> [Abk.: RAND], d. h. ich muss versprechen, dass alle, die das einsetzen wollen, zu fairen und gleichen Bedingungen auch lizenziert werden. Auch das ist eine Bedingungen, die ich viel akzeptabler finde, als, dass eine Firma [eine Technologie entwickelt] hat und dann alleine daran verdient.
</p>
<p>
<b><abbr title="Die Welt ist gar nicht so">D</abbr></b>: Für die Standardisierung der <a href="http://www.whatwg.org/specs/web-apps/current-work/multipage/video.html#audio">Audio</a>- und <a href="http://www.whatwg.org/specs/web-apps/current-work/multipage/video.html#video">Video</a>-Elemente von <a href="http://www.whatwg.org/specs/web-apps/current-work/multipage/"><abbr title="Hypertext Markup Language">HTML</abbr>5</a> wurden unter Anderem auch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Moving_Picture_Experts_Group"><abbr title="Moving Picture Experts Group">MPEG</abbr></a>-Codecs wie MP3 und AAC vorgeschlagen. <a href="http://www.mozilla.org/"><i title="Herstellerorganisation des Webbrowsers Firefox">Mozilla</i></a> kann diese jedoch nicht in den Webbrowser Firefox implementieren, da sich entsprechende Patentlizenzen nicht für Open-Source-Projekte erwerben lassen. Der Browserhersteller <a href="http://www.opera.com/"><i>Opera</i></a> beklagt die Lizenzkosten, welche […] <i>Ian Hickson</i>, Editor der HTML5-Spezifikation, <a href="http://lists.whatwg.org/pipermail/whatwg-whatwg.org/2009-June/020620.html">als <q>obszön</q> bezeichnete</a>. Welchen Rat haben sie für die Browserhersteller Mozilla und Opera? Haben diese eine andere Wahl als auf das Auslaufen aller [relevanten] Patente zu warten?
</p>
<p>
<b><abbr title="Karlheinz Brandenburg">KB</abbr></b>: Also bei manchen der Technologien ist das Auslaufen der Patente gar nicht mehr so lange hin.
</p>
<p>
<b><abbr title="Die Welt ist gar nicht so">D</abbr></b>: Wie wäre das z. B. für MP3?
</p>
<p>
<b><abbr title="Karlheinz Brandenburg">KB</abbr></b>: Ich kann das nicht genau sagen. Aber es sind nur noch [ein paar Jahre. Genauer weiß ich es nicht,] da müssen sie andere Leute fragen. Es ist ein bisschen komplizierter: Die einfache Regel [lautet] „plus 20 Jahre“ — dann geht es sehr bald zu Ende —, aber es gibt dann noch einzelne Länder mit anderen Regeln und dadurch wird es kompliziert; 20 Jahre ab Einreichung oder 17 Jahre ab Erteilung usw. […]
</p>
<p>
<b><abbr title="Die Welt ist gar nicht so">D</abbr></b>: Und welchen Rat haben sie jetzt für Mozilla und Opera?
</p>
<p>
<b><abbr title="Karlheinz Brandenburg">KB</abbr></b>: Also das, was von manchen Linux-Distributionen von heute schon gemacht wird, nämlich einen einfachen Nachlademechanismus für Bibliotheken zu implementieren, bzw. …
</p>
<p>
<b><abbr title="Die Welt ist gar nicht so">D</abbr></b>: … die müssen dann aber auch lizenziert werden …
</p>
<p>
<b><abbr title="Karlheinz Brandenburg">KB</abbr></b>: … alles, was so ein Windows-System auch auf dem Rechner hat, […] ist bereits lizenziert. Also, es war auch bisher schon so: Zumindest zum Dekodieren — das haben wir nie an die große Glocke gehängt —, aber es ist nicht der Plan bei uns, jetzt groß auf die Open-Source-Bewegung loszugehen …
</p>
<p>
<b><abbr title="Die Welt ist gar nicht so">D</abbr></b>: Wenn Sie das Mozilla versichern könnten […] …
</p>
<p>
<b><abbr title="Karlheinz Brandenburg">KB</abbr></b>: Das ist das Problem! In dem Augenblick, in dem wir das <em>formal</em> versichern, kriegen wir Schwierigkeiten mit unserer [RAND-]Bedingung, […] dann könnten andere kommen, die das kommerziell [gemeint ist hier wohl: proprietär] verwenden wollen und sagen „Wir auch!“ …
</p>
<p>
<b><abbr title="Die Welt ist gar nicht so">D</abbr></b>: Und dann machen Sie kein Geld mehr.
</p>
<p>
<b><abbr title="Karlheinz Brandenburg">KB</abbr></b>: Und dann machen wir kein Geld mehr, das ist das Problem darin.
</p>
<p>
<b><abbr title="Die Welt ist gar nicht so">D</abbr></b>: […] Industrielle Standardisierungsgremien ohne explizite (Anti-)Patentrichtlinie — […] das World Wide Web Consortium hat ja eine <a href="http://www.w3.org/Consortium/Patent-Policy-20040205/">Anti-Patentrichtlinie</a> — haben die Tendenz, stark patentbelastete Standards hervorzubringen. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Steve_Jobs"><i>Steve Jobs</i></a> behauptete im April dieses Jahres [2010] sogar, <a href="http://hugoroy.eu/jobs-os.en.html">alle Videocodecs wären patentbelastet</a>. Im Gegensatz dazu sagte <i>Leonardo Chiariglione</i>, Gründer der MPEG, bereits 2008, er halte den Mangel an lizenzkostenfreien <i xml:lang="en">codecs</i><a href="http://leonardo.chiariglione.org/publications/epo2008/index.asp"> für einen Fehler</a>. Halten Sie Lizenzkosten für ein Problem, was industrielle Standards angeht?
</p>
<p>
<b><abbr title="Karlheinz Brandenburg">KB</abbr></b>: Das muss man sich anschauen, wie es gehandhabt wird. Es gibt viele Beispiele, [bei denen] die Lizenzgeber frühzeitig darauf aufpassen, dass die gemeinsame Lizenzierung von Technologien nicht die Einführung behindern soll und deswegen wirklich <em>vernünftige</em> Lizenzkosten herauskommen.
</p>
<p>
<b><abbr title="Die Welt ist gar nicht so">D</abbr></b>: Open-Source-Projekte werden aber immer benachteiligt.
</p>
<p>
<b><abbr title="Karlheinz Brandenburg">KB</abbr></b>: Der <i>Freeware</i>-Autor, der sagt, „Ich möchte gerne das, was ihr erarbeitet habt, kostenlos verwenden, damit ich berühmt werde.“ — dem kann ich wirklich nicht helfen.
</p>
<p>
<b><abbr title="Die Welt ist gar nicht so">D</abbr></b>: Und Open-Source-Projekte, die nicht auf Ruhm, sondern einfach auf Praktikabilität basieren, wie z. B. Firefox?
</p>
<p>
<b><abbr title="Karlheinz Brandenburg">KB</abbr></b>: Ja, wiegesagt, da sehe ich andere Lösungen dafür, wie man das machhen könnte und man muss noch etwas sehen: Es gibt nicht unendlich viele Möglichkeiten, etwas zu tun. […] Deswegen ist manchmal — wenn nicht sogar oft — tatsächlich die „Patentfreiheit“ eine Illusion, weil die Leute nur nicht genug nachgeschaut haben, was noch alles patentiert ist. Da ist es manchmal besser, wenn man tatsächlich weiß, „das ist da und da entwickelt worden“. […] Das sind ja auch Technologien, [bei denen] Leute richtig viel Geld in die Entwicklung stecken.
</p>
<p>
<b><abbr title="Die Welt ist gar nicht so">D</abbr></b>: Das bezweifle ich nicht.
</p>
<p>
<b><abbr title="Karlheinz Brandenburg">KB</abbr></b>: [Es ist dann] auch vom Patentamt nachgeprüft worden […], dass man sich den Stand der Technik angeschaut hat; zumindest in vielen Ländern [ist] das so bei der Patentprüfung, dass auch geschaut wird, was es sonst [bereits] gibt — und dann ist es vernünftig. Wiegesagt, wenn das <em>vernünftig</em> gehandhabt wird, ist es meiner Ansicht nach die bessere Lösung als die Illusion, die beste Technologie, gleichzeitig auch noch patentfrei haben zu können, in diesem Bereich. Es gibt andere Bereiche, [in denen] das ganz anders läuft.
</p>
<p>
<b><abbr title="Die Welt ist gar nicht so">D</abbr></b>: Das heißt, Sie würden keine lizenzkostenfreien MPEG-Codecs befürworten?
</p>
<p>
<b><abbr title="Karlheinz Brandenburg">KB</abbr></b>: Im Augenblick nicht.
</p>
<p>
Was ich als große Gefahr für die Dinge sehe, ist, dass es Firmen gibt, die diese Dinge gar fürchterlich ausnutzen. Da gibt es das Stichwort von den sog. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Patent-Troll">Patent-Trollen</a> — von Firmen, die oft sehr zweifelhafte <i xml:lang="en">claims</i> haben und trotzdem versuchen, daraus viel Geld zu schlagen. Die sind eine Gefahr für das ganze Patentwesen, aber ich denke: Diesen Missbrauch muss man […] bekämpfen, aber nicht dabei das ganze — nach wie vor meiner Ansicht nach sinnvolle — Patentwesen abschaffen.
</p>
<p>
<b><abbr title="Die Welt ist gar nicht so">D</abbr></b>: Nachdem das Fraunhofer-Institut im Jahr 1998 verschiedene Hersteller von MP3 De- und En-kodern <a href="http://www.chillingeffects.org/patent/notice.cgi?NoticeID=464">darauf hinwies, dass eine Lizenz benötigt wurde</a>, wurde die Entwicklung des lizenzkostenfreien Audiocodecs <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Vorbis"><i>Vorbis</i></a> angestoßen, der im Jahr 2000 veröffentlicht wurde und […] MP3 technologisch überlegen ist. Vorbis wird unter anderem von den Webbrowsern Firefox, Chrome und Opera unterstützt und ist von Google als Teil des Standardformats<a href="http://www.webmproject.org/"> <i>WebM</i></a> vorgesehen. Wie bewerten Sie Vorbis? […] Würden Sie es als Audioingenieur begrüßen, wenn dies ein lizenzkostenfreier Nachfolger von MP3 würde? AAC hat ja [eine ähnliche Lizenzproblematik].
</p>
<p>
<b><abbr title="Karlheinz Brandenburg">KB</abbr></b>: Zuersteinmal ist und bleibt MP3 das eine Format, was überall unterstützt wird. Die Position hat AAC nicht erreicht, hat Vorbis in den 10 Jahren nicht erreicht und wird es auch nie erreichen.
</p>
<p>
<b><abbr title="Die Welt ist gar nicht so">D</abbr></b>: Wird nie ein Format erreichen, ihrer Meinung nach?
</p>
<p>
<b><abbr title="Karlheinz Brandenburg">KB</abbr></b>: Meiner Meinung nach geht es eher wieder zurück auf unkomprimiertes WAV, aber eher nicht auf so etwas.
</p>
<p>
Wir haben Vorbis immer als eine interessante Variante gesehen — die übrigens nicht von Anfang an besser war als MP3 — da gab es [einige] Tests, wo gar Erstaunliches zustande kam …
</p>
<p>
<b><abbr title="Die Welt ist gar nicht so">D</abbr></b>: MP3 ist ja auch viel älter.
</p>
<p>
<b><abbr title="Karlheinz Brandenburg">KB</abbr></b>: Ja […], weil es älter ist, [konnte] es auch noch nicht so [viel] Speicher verwenden.
</p>
<p>
<b><abbr title="Die Welt ist gar nicht so">D</abbr></b>: Ich glaube, Vorbis be[nötigt] mehr Speicher [zum Dekodieren].
</p>
<p>
<b><abbr title="Karlheinz Brandenburg">KB</abbr></b>: Ich habe das verfolgt; ich war von der Methode her da nie dagegen — wenn Leute das so versuchen, warum nicht? Ich kenne sogar einzelne Leute, die einerseits an den standardisierten Verfahren mitgearbeitet haben und andererseits an […] Vorbis. Ich habe auch nicht so genau reingeschaut, um nicht entdecken zu müssen, dass die vielleicht doch Patente verwenden.
</p>
<p>
<b><abbr title="Die Welt ist gar nicht so">D</abbr></b>: Es [gab bisher] keine Klagen.
</p>
<p>
<b><abbr title="Karlheinz Brandenburg">KB</abbr></b>: Genau. Auch deswegen, weil Leute, die vielleicht klagen könnten, lieber gar nicht erst hingeschaut haben. Ich kann es nicht sagen.
</p>
<p>
<b><abbr title="Die Welt ist gar nicht so">D</abbr></b>: Würden Sie es denn begrüßen, wenn es einen lizenzkostenfreien Standard [gäbe]? Oder würden Sie es eher begrüßen, wenn man bei [lizenzkostenpflichtigen] Formaten bleibt?
</p>
<p>
<b><abbr title="Karlheinz Brandenburg">KB</abbr></b>: Also wenn jetzt die ganze Welt umschwenkt auf Ogg Vorbis, hätte ich schon ein Problem damit (lacht) — aber das Risiko muss jeder eingehen, dass eine andere Technologie kommt …
</p>
<p>
<b><abbr title="Die Welt ist gar nicht so">D</abbr></b>: […] Sie sind da indifferent?
</p>
<p>
<b><abbr title="Karlheinz Brandenburg">KB</abbr></b>: […] Mein persönliches Interesse ist natürlich, dass das, woran wir gearbeitet haben, auch eingesetzt wird, weiterhin. Das ist verständlich, denke ich.
</p>
<p>
<b><abbr title="Die Welt ist gar nicht so">D</abbr></b>: Mehr Fragen habe ich nicht. Gibt es noch Sachen, die Sie gerne sagen möchten, die ich nicht gefragt habe — […] im Kontext von Audio und Standardisierung?
</p>
<p>
<b><abbr title="Karlheinz Brandenburg">KB</abbr></b>: Was mir in dem Zusammenhang wichtig ist: Es gibt ja auch die Frage nach […] noch ganz anderen Formaten. Ich denke, es ist <em>sehr</em> nützlich, […] Standardisierung voran zu treiben — […] gegenüber proprietären Formaten. Also, wir haben auch bei Fraunhofer da immer eine Priorität gesetzt, nach dem Motto „Okay, man kann versuchen, die Welt alleine für sich zu gewinnen und den Kuchen für sich zu haben.“ aber ich denke, es ist die viel bessere Variante, mit anderen zu kooperieren und dann gemeinsam mit den Ideen von verschiedenen Leuten in verschiedenen Firmen einen Standard zu bauen, der wirklich […] das Beste ist und — vielleicht unter Bezahlung von [Patentlizenzgebühren] — für alle zugänglich ist. […] Die Standards — die Beschreibungen, wie es funktioniert — sind öffentlich; bei proprietären Verfahren haben Sie da [ein] Problem mit.
</p>
<p>
<small>
Vielen Dank an Andreas Gebhart, Jule Gemählich und Stefanie Theiß, die mir <i>a2n</i>-Akkreditierung und Interviewmöglichkeit verschafften. Ebenfalls danke ich Gregory Maxwell und Christopher Montgomery für ihre Hilfe beim Aussuchen der Fragen.
</small>
</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blog.dieweltistgarnichtso.net/achtung-patent-anmelden/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
